Historisches Waldferiendorf Dürrwies

Dürrwieser Dorfgeschichte

Dürrwies

Der große Traum des Wennemar von Detten
- auch nach (fast) 50 Jahren noch immer ein Geheimtipp

 Der alte Dürrwieser Einödhof
     Stilvoll zurückhaltende Einrichtung 1962 in Dürrwies
     Ein neues Dorf im Wald ist entstanden
     Einer der fleißigen Helfer legt letzte Hand an



Hart und entbehrungsreich war das Leben der Waldler über viele Jahrhunderte. Der Alltag war von qualvoller Landwirtschaft bestimmt, die Behausungen einfach und karg.
Auch noch in der Nachkriegszeit, während in weiten Teilen Deutschlands das Wirtschaftswunder zu einem besseren Leben verhalf, waren die Lebensbedingungen im Bayerischen Wald sehr schlecht. Viele abgelegene Dörfer waren noch längst nicht an das Wasser- und Stromnetz angeschlossen, so auch Dürrwies und Seiboldsried.
Anfang der 1960er Jahre gaben viele Waldler die so mühsame Landwirtschaft auf, suchten sich Arbeit in den Industrien oder stellen auf moderne, effektivere Landwirtschaft auf.
Die alten bäuerlichen Holzhäuser, Stadl und „Troadkästen“ galten als überkommen und erinnerten an die alte Zeit, die so mühsam war. Sie wurden nicht geschätzt und waren dem baldigen Verfall preisgegeben.


Der große Traum des Baron von Detten beginnt im Jahre 1961, als er gemeinsam mit seiner Cousine Anneliese und deren Sohn Otto-Detlev auf der Suche nach einer neuen Heimat und einer neuen Aufgabe ist. Den eigenen Besitz im westfälischen Warburg für staatliche Zwecke aufgegeben und bereit für etwas ganz Neues. Im Bayerischen Wald finden sie ein wunderschönes Fleckchen Erde, einen Einödhof auf einer Waldlichtung am Hang des 850m hohen Tannbühls und mit Blick auf die Rusel: Dürrwies.

Volkstumsliebend sind sie und kreativ, erkennen den kunsthistorischen und kulturellen Wert der inzwischen dem Verfall preisgegebenen traditionellen Bayerwaldhäuser. In den umliegenden Dörfern entdecken sie viele nicht mehr genutzte „Troadkästen“ und Holzhäuser, die in ihrer Kargheit vom ärmlichen Leben der Waldbauern zeugen. Um sie zu retten suchen sie nach einer neuen Nutzung für die Traditionshäuser. Bald hat Wennemar von Detten die ungewöhnliche Feriendorf-Idee. Für die Realisierung seines großen Traums, kauft er im ganzen Bayerischen Wald alte Holzhäuser auf, lässt sie sorgfältig nummerieren, abtragen und unter immensem Aufwand nach Dürrwies transportieren. Hier werden die Häuser originalgetreu und mit viel Liebe zum Detail wieder errichtet und zu Ferienhäusern ausgebaut. Im ärmlichen Bayerischen Wald erweckt Baron von Detten großes Aufsehen mit dem Aufbau seines besonderen Dorfes. Die Häuser erhalten eine für den Bayerischen Wald komfortable Ausstattung mit fließend heißem und kaltem Wasser, Bädern, Küchen und Ölöfen – einem Standard der in den Dörfern noch lange Jahre nicht erreicht sein wird. Auch die Einrichtung besteht zum großen Teil aus Antiquitäten und Elementen des Waldbauernlebens. Flickenteppiche und Vorhänge lässt Wennemar von Detten eigens für die Dürrwieser Häuser weben. Viele Sonderanfertigungen wie aufgepolsterte Pferdeschlitten, Lampen aus Schindeln oder ausgedienten Kutscherlampen prägen den Stil der Häuser.

Im Winter 1962 kommen die ersten Gäste nach Dürrwies und sind begeistert. Urlaubsquartiere dieser Art sind zu der Zeit noch etwas Ungewöhnliches. Der künstlerisch und kultuerell gebildete Freundeskreis derer von Dettens besteht aus Adeligen und Professoren. So wird eigens für Dürrwies ein Gedicht geschrieben und ein Signet gezeichnet, welche noch heute nach wie vor verwendet werden. Familie von Detten macht so gut wie keine Werbung für ihre „Oase der Ruhe und des Urtümlichen“, sie setzen auf die Mund-zu-Mund-Propaganda innerhalb ihres exklusiven Freundeskreises. Es wird in den Prospekten sogar mit den Worten „Bitte aber empfehlen sie uns nur denjenigen, die Sie selbst gern als Hausnachbarn in Dürrwies hätten“, an den Gast appelliert. In einem Gesellschaftshaus und an einem großen Grillplatz, der sich in den Grundmauern des ehemaligen Einödhofes befindet, versammelt Familie von Detten die Gäste zu ausgewählten Veranstaltungen wie Dichterlesungen, Konzerten oder Grillabenden um sich.

Balken für Balken werden gekennzeichnet
     Schwere körperliche Arbeit beim Abtragen der historischen Häuser
     Sorgfältiges Abbauen
     Aufwändiger Transport der Balken nach Dürrwies


Nach dem frühen Tod des Wennemar von Detten 1972 übernimmt der Sohn seiner Cousine, Otto von Detten, dieses einzigartige Lebenswerk. Die 1980er Jahre bedeuten aufgrund des eisern durchgehaltenen Prinzips, keine Werbung zu machen, wirtschaftliche Schwierigkeiten, welche Familie von Detten zwingen, sich nach und nach von ihren mit so viel Herzblut erbauten Häusern zu trennen.
Frau Dr. Michaela Siewert, einer aus München stammenden Verlagsredakteurin und Buchautorin, gelingt es 1988 die weiterhin an gemeinschaftlicher Vermietung interessierten neuen Hauseigentümer zu einer Vermietergemeinschaft zusammenzuschließen. Durch unermüdliches und von viel ehrenamtlicher Arbeit geprägtem Engagement schaffen es die Eigentümer mit Frau Dr. Siewert als Verwalterin, Dürrwies weiterhin als Waldferiendorf am Leben zu erhalten.
1990 wird Dürrwies für seine Familienfreundlichkeit vom zuständigen Bundesministerium ausgezeichnet.
2004 übernimmt Familie Weyermann aus Bamberg die Führung der Vermietergemeinschaft. Mit vielen neuen Ideen engagieren sie sich unermüdlich und führen Dürrwies schließlich in eine erfolgreiche Zukunft. Durch die Komplett-Renovierung des Forsthofes und durch Einrichtung weiterer großer Ferienhäuser, schaffen sie neue Perspektiven und Möglichkeiten für Dürrwies.

Auch heute, 48 Jahre nach seiner Eröffnung ist Dürrwies jung geblieben, von immer wieder neuer Gästebelegung. Immer wieder begeistern sich viele Menschen, in dem besonderen Refugium mitten im Wald in originalen Häusern ihre Ferien zu verbringen, während man auch stolz auf eine große Zahl von Stammgästen sein kann, die z.T. Seit 20, 30, 40 Jahren alljährlich wiederkommen.
Mittlerweile haben auch viele Firmen das „Waldversteck“ Dürrwies, das nach wie vor auf eine Straßenbeleuchtung verzichtet, als idealen Seminarstandort entdeckt.

Noch immer verbringen viele Familien hier ihre Ferien, um ihren Kindern wahre Naturnähe und Ursprünglichkeit nahe zu bringen. Noch immer bringt der Hausmeister jeden Morgen die Brötchen ans Haus. Noch immer herrscht in Dürrwies ein vertrautes Miteinander...

Der große Traum des Wennemar von Detten
- auch nach (fast) 50 Jahren noch immer ein Geheimtipp


Maximilian Knapp, Januar 2010

Schwere körperliche Arbeit beim Wiederaufbau in Dürrwies
     Wiederaufbau in Dürrwies
     Selbst die Zapfen werden von Hand geschnitzt
     Sorgfältiger Wiederaufbau der Dürrwieser Häuser